Eintauchen in die Bilderwelt vergangener Jahrhunderte

Die Dauerausstellung im Augustinermuseum in Freiburg bietet einen faszinierenden Einblick in die Kunst und Kultur vergangener Epochen. Propheten, Fabelwesen und Heilige erwarten die Besuchenden in der Ausstellung, die besonders die steinernen Originalfiguren und Glasfenster des Freiburger Münsters in den Mittelpunkt stellt. Ergänzt wird die Sammlung durch mittelalterliche Holzskulptur und Tafelmalerei von bedeutenden Künstler*innen wie Matthias Grünewald, Lucas Cranach d. Ä. und Hans Baldung Grien. Im ehemaligen Chorraum entfalten die Werke des Barocks ihre volle Pracht. Die Galerie im Dachgeschoss zeigt wechselnde Präsentationen von Malerei des 19. Jahrhunderts.
Die Dauerausstellung macht das Augustinermuseum zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Kunst auf einzigartige Weise lebendig werden.

Foto: Marc Doradzillo
Foto: Marc Doradzillo
Foto: Marc Doradzillo
Foto: Marc Doradzillo

Mittelalter

Mittelalter

Mittelalterliche Bilderwelt als sinnliches Erlebnis: Der einstige Kirchenraum des Augustinerklosters gibt den Sandsteinfiguren des Freiburger Münsters viel ihrer einstigen Ausstrahlung zurück. Die eingezogenen Stützen teilen den fast zwölf Meter hohen Raum in drei Schiffe. An ihnen entfalten Propheten und Wasserspeier ihre magisch-monumentale Wirkung. Von der Wand zum Chorraum aus zieht die berühmte Marienkrönung vom Hauptportal des Münsters die Blicke auf sich. Die umlaufende Empore mit Durchblicken erlaubt, die Wasserspeier auf Augenhöhe zu betrachten. In den seitlichen Kabinetten finden mittelalterliche Tafelbilder und Holzskulpturen ihre Bühne.

Foto: Patrick Seeger

Barock

Barock

Aus der Skulpturenhalle führt der Weg der Ausstellung weiter in den hellen Chor der ehemaligen Klosterkirche. Dort kommen Altäre, Skulpturen, Gemälde und Kleinplastiken des Barocks voll zur Geltung. Prunkstück ist der in den 1720er Jahren entstandene Orgelprospekt aus der Abteikirche Gengenbach. Im Zuge der Entbarockisierung der Kirche 1896/98 wurde die Orgel abgebaut. 1904 erwarb die Stadt Freiburg den Prospekt und präsentiert ihn seit der Eröffnung des Augustinermuseums 1923. 1935 baute die Freiburger Firma M. Welte & Söhne eine Kirchenorgel hinter den Prospekt ein. Wöchentliche Konzerte gehören zu den beliebtesten Veranstaltungen im Augustinermuseum.

Foto: Marc Doradzillo

Sakrale Glasmalerei

Sakrale Glasmalerei

Mittelalterliche Glaskunst zum Bestaunen: Die mehr als fünf Meter hohen Kaiserfenster des Freiburger Münsters sind in die Fassade eingesetzt – daneben leuchten Glasmalereien aus den Chorkapellen in eigenen Kabinetten, viele nach Entwürfen von Hans Baldung Grien. Ein Highlight der Dauerausstellung sind die Dominikanerfenster, einzigartige Relikte einer Freiburger Klosterkirche, die längst nicht mehr existiert.

Foto: Patrick Seeger

Malerei des 19. Jahrhunderts

Malerei des 19. Jahrhunderts

Die Gemäldegalerie im historischen Dachstuhl besticht durch ihre einzigartige Atmosphäre: die architektonische Gestaltung ermöglicht den Blick in das barocke Gebälk, an den rot leuchtenden Wänden werden in wechselnden Präsentationen Gemälde von Künstler*innen des 19. Jahrhunderts gezeigt, darunter Anselm Feuerbach, Wilhelm Hasemann, Ida Maier oder Franz Xaver Winterhalter. Die Vielfalt der Werke reicht von den beliebten und schon vielfach präsentierten Bildern des Schwarzwalds über Landschafts- und Genredarstellungen bis hin zu fürstlichen Porträts der High Society des 19. Jahrhunderts.

Die aktuelle Schau unter dem Titel "Ins Licht gerückt: Künstlerinnen im 19. Jahrhundert" zeigt unter anderem Gemälde von Alexandra Berckholtz (1821–1899), Ida Maier (1821–1904), Marie Dürr-Grossmann (1852–1889) und Frieda Roman (1859–1918) – allesamt Frauen, die trotz ihres künstlerischen Talents im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen. Viele der ausgestellten Werke werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Ihre Gemälde spiegeln eine Zeit, in der Frauen durch soziale und strukturelle Hindernisse am Fortschritt gehindert wurden. Der Zugang zu Kunstakademien war stark eingeschränkt und nur wenigen Frauen gelang es, ihre Arbeiten in renommierten Ausstellungen zu zeigen. Trotz dieser Hürden schufen sie beeindruckende Werke und fanden kreative Wege, sich zu behaupten. Künstlerinnen sind in Ausstellungen und musealen Sammlungen oft unterrepräsentiert – auch im Augustinermuseum stammen weniger als 15 Prozent der Werke aus dieser Zeit von Frauen.

Foto: Marc Doradzillo

Schatzkammer

Schatzkammer

Die Schatzkammer präsentiert prachtvolle Kunstwerke aus Kirchen und Klöstern. Zu sehen sind Altargeräte (Vasa sacra), Bildteppiche, Reliquiare, Textilien (Paramente) sowie liturgische Handschriften. Viele dieser Objekte wurden für die Feier der Heiligen Messe geschaffen. Aus Gold, Silber, Edelsteinen oder feinen Stoffen kunstvoll gefertigt, zeugen sie von herausragendem künstlerischem Können und dienten nicht nur der Zierde und damit der Ehre Gottes, sondern erfüllten liturgische Funktionen. Einige Stücke werden bis heute bei festlichen Gottesdiensten im Freiburger Münster verwendet. Während sich im Erdgeschoss vor allem Werke des Barocks entfalten, zeigen drei weitere Räume im Untergeschoss in chronologischer Ordnung Zeugnisse vom frühen Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit.

Foto: Patrick Seeger

Stadtgeschichte

Stadtgeschichte

Von Rittern, Bächle und Jahrhundertbaustellen: Was Freiburg in den vergangenen 900 Jahren prägte und wie sich die Stadt entwickelte, zeigen zahlreiche Objekte und Modelle. Im Fokus steht auch die faszinierende Baugeschichte des Münsters, es war im Mittelalter zentraler Treffpunkt und weit mehr als ein Gotteshaus. Originale Sandsteinskulpturen, eine sensible historische Architekturzeichnung, Hands-On- und Medien-Stationen vermitteln vielschichtige Inhalte der Stadtgeschichte.

Foto: Marc Doradzillo

Protest und Revolution

Protest und Revolution

Der Bereich Protest und Revolution schlägt den Bogen von der Badischen Revolution über die Studierendenbewegung der 1960er Jahre bis hin zu aktuellen Protesten wie „Fridays for Future“ oder „I can’t breathe“. Was trieb und treibt Menschen auf die Straßen? Interaktive Protestschilder laden zur Beteiligung ein.

Foto: Patrick Seeger

Welte-Lounge

Welte-Lounge

DieWelte-Lounge rückt ein bedeutendes Kapitel Freiburger Musikgeschichte in den Fokus, denn die selbstspielenden Instrumente der Firma M. Welte & Söhne sind international bekannt. Berühmte Pianist*innen und Komponist*innen spielten Werke für Notenrollen ein, die etwa der Steinway-Welte-Reproduktionsflügel bis heute dynamikgetreu abspielt. Das Schaudepot zeigt rund 1300 Notenrollen, daneben bietet eine Medienstation Musik auf Knopfdruck.

Foto: Marc Doradzillo

Religion

Religion

Früher prägte die christliche Religion die Region, hinzu kamen kleine jüdische Gemeinden außerhalb der Stadt. Heute stellt sich die Welt anders dar. Menschen aus unterschiedlichen Ländern bringen ihre Religionen mit oder gehören keiner Glaubensgemeinschaft mehr an. Das Museum bietet Raum für respektvollen Austausch, Interaktion und Partizipation. Beim Blick auf die historischen Klöster im Schwarzwald zeigt sich, dass sie früher nicht nur das Land mit der christlichen Religion prägten, sondern sich auch durch soziales Engagement und Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft auszeichneten. Männer- und Frauenorden unterschieden sich dabei deutlich.

Foto: Marc Doradzillo

Barockgalerie

Barockgalerie

Pompöse Pracht, theatralische Inszenierungen, bewegte Kompositionen und eine große Bandbreite an Themen, von der Mythologie über Landschaft und Stillleben bis zum Porträt – all das erwartet Besucher*innen der Barockgalerie, die Malerei von 1600 bis 1800 zeigt. Wie zur Entstehungszeit üblich, präsentieren sich die Gemälde in dichter Hängung neben- und übereinander.

Foto: Johannes Gier

Porträtgalerie

Porträtgalerie

Die Erstbespielung „Freiburger Frauen* im Blick“ der digitalen Porträtgalerie ist eine Kooperation mit dem Verein Element 3 und der Fotografin Britt Schilling. Zu sehen sind rund 80 Fotos – Momentaufnahmen, die einen Ausschnitt unserer pluralistischen Stadtgesellschaft zeigen.

Foto: Patrick Seeger

Schwarzwald

Schwarzwald

Ein besonderes Erlebnis ist die immersive Rauminstallation zum Schwarzwald. Besucher*innen schließen sich einem traditionellen Hochzeitszug an oder stapfen durch verschneite Winterlandschaften. Gemälde und Objekte der Sammlung erwachen um sie herum zum Leben und erzählen von Brauchtum, handwerklichen Innovationen, Umweltthemen und Tourismus. Daneben verdeutlicht eine Sammelvitrine die Bedeutung des Glasbläserhandwerks im Schwarzwald. Verschiedenste Objekte zeugen von
beeindruckender Kunstfertigkeit und Vielfalt.

Foto: Johannes Gier

FREI_Raum

FREI_Raum

Im FREI_Raum entwickelt das Augustinermuseum gemeinsam mit unterschiedlichen Akteur*innen aus Freiburg und der Region Projekte und Ideen. In der ersten Jahresausstellung „Zukunfts(t)räume. Ein Museum im Wandel“ blickt das Haus nach Jahren des Umbaus zurück und denkt gemeinsam mit den Freiburger*innen in die Zukunft. Wie sollen sich Stadt und Museum weiterentwickeln?