Die naturwissenschaftliche Sammlung umfasst etwa 500.000 Objekte sowie Fotos, Dias, Karten, Glasplatten und Filme und entstand mit der Gründung des Museums 1895. Sie präsentiert ein umfangreiches Archiv des Lebens und des Wissens aus über vier Milliarden Jahren Erd- und Lebensgeschichte, welches generationenübergreifend bewahrt, erweitert und vermittelt wird. Die Objekte veranschaulichen Entwicklung des Lebens über lange Zeitepochen und ermöglichen Vergleiche und Voraussagen. Ihre Digitalisierung erlaubt eine intensive Vernetzung von Forschenden und schafft die Möglichkeit zur Bearbeitung immer neuer Fragen.

Die Sammlung hat durch die Forschungsreisen der Museumsgründer Dr. Adolf Fritze und Dr. Hugo Ficke, die zahlreichen aktiven Aufrufe an die Bevölkerung zu Schenkungen sowie die gezielten Ankäufe sowohl regionalen als auch internationalen Charakter. Alle Bereiche der Naturkunde wie Geologie/Mineralogie, Paläontologie, Zoologie, Botanik und Pilzkunde werden über diverse Teilsammlungen in unterschiedlichem Umfang präsentiert.

Wegen ihrer regionalen Orientierung sind die zoologischen Bestände besonders bedeutend. Die biologische Vielfalt Südwestdeutschlands wurde teilweise über ein Jahrhundert lang dokumentiert. Hier wird deutlich, wie sich Lebensräume allmählich verändern oder gar verschwinden, was die Entwicklung des Lebens in dieser Region anschaulich macht.

Die Aufarbeitung, Sichtbarmachung und Digitalisierung der Sammlungen im Museum Natur und Mensch ist ein zeitintensiver und dauerhafter, äußerst wichtiger Prozess. Er ist die Grundlage für die Arbeit mit den Objekten und die Vermittlung über Ausstellungen.

Alpensteinbock (Capra ibex). Foto: Axel Killian.

Sammlungsbereiche

Sammlungsbereiche

Geologie/Mineralogie

Die überwiegend historische Gesteinssammlung stammt von europäischen Fundorten. Darunter sind typische Magmatite und Metamorphite aus dem Schwarzwald. Seltene Vulkanite vom Kaiserstuhl und verschiedene Sedimentgesteine aus Südwestdeutschland kommen hinzu.
 
Die historischen Bergbaureviere des Südschwarzwaldes gaben den Anlass zum Aufbau einer regionalen Mineraliensammlung. Bekannte Bergwerke, wie die Grube Schauinsland, aber auch Steinbrüche am Kaiserstuhl lieferten hierfür Kristallstufen.
 
Nach 1950 erwarb das Museum bedeutende Erweiterungen, darunter umfangreiche mineralogische Schwarzwald-Sammlungen. Eine Besonderheit ist, dass das heutige Museumsgebäude direkt über dem Gewerbekanal errichtet wurde, an dem noch bis ins 19. Jahrhundert in Schleifmühlen verschiedene Schmuck- und Edelsteine bearbeitet wurden.

Paläontologie

Die Paläontologische Sammlung wurde seit der Gründung des Museums in kleinen Schritten aufgebaut und durch eigene Grabungen erweitert. Fundorte sind hauptsächlich die Sedimentgesteine in der näheren und weiteren Umgebung von Freiburg, daneben Solnhofen und Eichstätt in Bayern oder Steinbrüche wie die Grube Messel bei Darmstadt.
 
Regionale Funde sind zum Beispiel Pflanzenfossilien aus dem Perm/Karbon, fossile Blätter aus dem Tertiär sowie v. a. Ammoniten aus dem Jura. Sie alle belegen die teils extremen Klimaveränderungen während der vergangenen Jahrmillionen in unserer Region, die wiederum die Entwicklung des Lebens und den Wandel der Lebensräume maßgeblich beeinflussten. Sie sind ein großartiges Bespiel für Evolution, Anpassung, Entwicklung und Vielfalt des Lebens.
 
Ein beeindruckendes Beispiel der regionalen Fossilienfunde ist ein versteinerter Fischsaurier von der weltberühmten Fundstelle Holzmaden bei Stuttgart. Er befindet sich seit 1902 in der Naturwissenschaftlichen Sammlung und heißt die Museumsgäste im Eingangsbereich willkommen.

Zoologische Sammlung

Die Zoologische Sammlung umfasst über 200.000 Objekte und geht unter anderem auf die Spendenaufrufe des ersten Museumsdirektors Adolf Fritze zurück. Forschungsreisen, Spenden, Ankäufe und eigene Präparationen ließen die Sammlung stetig wachsen.
 
Entomologie (Insektenkunde), Ornithologie (Vogelkunde), sowie Malakologie (Weichtierkunde) bilden die Schwerpunkte der Sammlung. Insekten sind mit Abstand die artenreichste Klasse im Tierreich. Ihre systematische Bestimmung ist herausfordernd, ihre kontinuierliche Pflege unerlässlich, um neuen Fragen aus Wissenschaft und Gesellschaft gerecht zu werden. Die regionale und internationale Insektensammlung des Museums umfasst ca. 1.700 Insektenkästen. Viele dieser Kästen sind bereits über 100 Jahre alt. Gleichzeitig wurde die Naturwissenschaftliche Sammlung stetig und vielfältig ergänzt. Diese Artenvielfalt dient bis heute auch als Referenz für aktuelle Bestandsaufnahmen, Biotop-Kartierungen und vergleichende Forschungsprojekte.

Bienenkunde

Das Museum bewahrt vielfältige bienenkundliche Objekte: Für die Bienenhaltung gibt es von der Klotzbeute über geflochtene Strohkörbe bis hin zu moderneren Magazinbeuten eine Auswahl an historischen und aktuellen Gegenständen. Auch Honigpressen und Schleudern für die Verarbeitung, Begattungskästchen für die Königinnenzucht und diverse Imker-Utensilien gehören dazu.

Botanik

Die botanische Sammlung umfasst neben den klassisch bekannten Herbarien auch eine Sammlung verschiedener Baum- und Gehölzarten sowie von Pilzen.
 
Eine Besonderheit ist das gut dokumentierte Moos-Herbarium von Dr. J. Winter. Es ist eines der wenigen noch erhaltenen historischen Herbarien aus dem südwestdeutschen Raum, das beide Weltkriege nahezu unbeschadet überstand. Diese Dauerleihgabe des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e. V. wird seit Anfang der 1960er Jahre im Museum Natur und Mensch bewahrt. Mit über 2.000 regionalen Belegen und mehr als 400 Moosarten ist dieser Sammlungsteil ein besonders wertvoller Schatz.